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Freitag, 23. März 2007Nun ist also mal etwas pssiert, was sogar in Deutschland gebracht wird. Mit Grund.
Das brennende Waffenlager, in dem gestern alte Munitionsbestände hochgingen, liegt ca 10 km vom Stadtzentrum entfernt, wo ich bin. Trotzdem barsten auch hier noch Scheiben und wurden Gebäude wegen der Erschütterungen verlassen. Die Druckwellen der hochgehenden Munition tat mir, auch in der Entfernung, noch im Trommelfell weh.
Im Umkreis von 20 km liegen Granaten, Bomben und sonst was rum. Ein Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes ist gestern auf dem Weg nach Hause, um seine Frau und Kinder zu holen, umgekommen.
Der Verteidigungsminister fordert zur Ruhe auf, man solle doch in den Häusern bleiben. Keine Entschuldigung, keine Zurücktreten. Er ist der Schwager des Präsidenten.
Im Fernsehen werden wohl schreckliche Bilder gezeigt, in den heutigen Zeitungen ist nicht viel zu erfahren.
Ich höre Berichte von zusammengestüzten Schulen, die ganze Schulklassen unter sich begraben haben, Fabriken brannten inklusive der Arbeiter aus. Häuser wurden von umherfliegenden Projektielen beschädigt. Es schwirrt die Zahl von über 100 Toten rum, es sind vermutlich bei weit mehr.
Die Krankenhäuser sind total überlastet, sie schaffen ja nicht mal unter normalen Umständen eine anständige Versorgung. Gestern wurden die Verletzten in Busse gequetscht und Schubweise abgeliefert, mit fehlenden Gliedmaßen und angeschossenen Körpern.
Eine Mitarbeiterin hier erzählte von einer Frau, die bei ihr in der Nähe wohnt. Ihr Baby, dass sie auf dem Rücken trug ist gestorben, ihr Mann wurden die Beine abgeschossen. Er wurde immerhin zu einem Krankenhaus gebracht, sie saß allein auf der Straße.
Solche und andere Bilder wurden mir hier im Zentrum erspart..im Hostel haben gestern noch ein Südafrikaner und ein Franzose, beides Kriegsveteranen, von Projektielen und deren Wirkung auf den menschlichen Körper und die Gefahr von hochgehenden Munitionslagern erzählt. Sie sollten leider recht behalten.
Es wird der Hitze die Schuld gegeben, mit dem Hinweis, dass heute eventuell noch mehr hochgehen könnte, da 36 Grad erwartet werden (sollte man vielleicht nicht so drüber nachdenken, aber hier gehen jetzt Gerüchte rum, dass noch Flugzeugmunition, also Raketen und Schlimmeres, fertig zu explodieren rumliegen. Und das kann die Stadt, inklusive der Bewohner, ziemlich auseinanderrupfen..). Schon recht verantwortungslos, wenn man bedenkt, dass im Januar schon ein Teil des Lagers explodiert ist, jedoch mit viel geringeren Auswirkungen (offiziell drei Tote).
Diesmal ist es eine wirkliche Katatrophe.
Auch andere Nachrichten für Mosambik sind nicht besonders aufmunternd, seit letztem Wochenende überfluten hohe Springfluten die armen Küstengebiete bis nach Maputo rein, überschwemmen Felder und Trinkwasserpfützen, spülen Häuser weg und sorgen für eine Verschlimmerung der schon, durch Flut und Orkan, stark belasteten Landbevölkerung. Es wird eine Hungersnot vorausgesagt.
So läuft das hier.
Aber noch mal für die Frau Mama und andere Sorgenmenschen: mir geht es gut, nix passiert !
Neueste Meldung: Das Lager raucht wieder, weitere Knaller sind also zu erwarten. Von den Internationalen wollen einige übers WE die Stadt verlassen, Mosambikaner versuchen zu ihren Häusern und Bekannten in der Nähe des Lagers zu kommen.
Ich werde wahrscheinlich umziehen. Der Brasilianer hat ein Haus gefunden. Ich kenne es noch nicht, soll aber nicht schlecht sein. Mal gucken.
Euch ein ruhiges Wochenende, auf das die Sonne auch in Deutschland wieder scheint.
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